Martina Münster
Heilpraktikerin für Psychotherapie & Traumasensibler Coach auf Rügen 

Gedanken der Woche

Die Kunst, sich selbst im Fühlen neu zu entdecken:
Kennst Du diesen Satz auch? „Ich werde niemals so werden wie meine Mutter.“ Oder: „Ich werde ganz sicher nicht wie mein Vater.“ Es ist ein radikales „Nein“ zu einem Verhalten, das uns früher verletzt oder eingeengt hat. Doch hast du schon einmal bemerkt, was passiert, wenn wir etwas mit aller Kraft ablehnen? 
Wir fangen oft an, unbewusst genau das zu verkörpern, wogegen wir ankämpfen. 
Denn worauf wir unseren Fokus richten, das prägt uns.

Das merken wir meist erst, wenn das Leben ins Stocken gerät. In der Reflexion bricht dann die Erkenntnis durch: „Verdammt, ich bin ja doch ein Stück weit wie meine Eltern geworden.“ - Doch woran liegt das?
Die Erklärung ist ganz logisch: als Reaktion auf die Verletzungen in unserer Kindheit haben wir damals als Kind die kluge Entscheidung getroffen, unsere Gefühle ein Stück weit herunterzuregeln. 
Es war ein Schutzmechanismus, um den Schmerz nicht mehr so nah an uns heran zulassen. 
Als Folge davoh haben wir im Laufe der Zeit einfach verlernt, unsere feinen Körperempfindungen im Alltag wahrzunehmen. Wenn wir aber diesen inneren Kompass, diese feinen Empfindungen, nicht mehr nutzen, fehlt uns die Orientierung im Hier und Jetzt. Denn das Gehirn greift dann ganz automatisch auf die Verhaltensmuster zurück, die es über Jahre in der Kindheit trainiert hat.

Um diese Kette zu durchbrechen, braucht es unendlichen Mut. Den Mut, absolut ehrlich zu mir zu sein. 
Nur vor mir, für mich. Was stößt mich an meinen Eltern so sehr ab – und wie spiegelt sich genau das heute in meinen Beziehungen wider? Erst an dieser Weggabelung folgt die entscheidende Frage: 
Wie kann ich es ändern?

Die Antwort beginnt mit einem radikalen Schritt: mit der Annahme.
Dieses alte Muster darf erst einmal genau so da sein. Denn so hast Du es gelernt und so hat es jahrelang Sinn ergeben. Es war Deine Überlebensstrategie, die Dich bis heute beschützt hat. 
Erst danach folgt die zweite Frage: Macht dieses Verhalten heute noch Sinn?

Wenn es keinen Sinn mehr macht, dann darfst Du Dich fragen: Was möchte ich ab jetzt ändern? 
Und dieses „Wie“ funktioniert niemals durch einen riesigen Sprung, sondern durch winzige Schritte. 
Es ist ein Weg, auf dem Du in der absoluten Selbstliebe bleibst und aufmerksam mit Dir umgehst. 
Ein Weg, auf dem Du Dich sehr liebevoll ertappst: „Ah, schau mal, das hat mich gerade verletzt. 
Und jetzt reagiere ich schon wieder wie...“

Das ist gar nicht so mühselig, wie es klingt. Es ist im Grunde ein reines Verstehen. Durch das Verstehen fallen Dir Dinge im Alltag plötzlich auf. - Dieses wertfreie Bemerken ist immer der allererste Schritt zur Veränderung.

Du brauchst dafür keine feste Routine und kein langes Training. Es reicht schon der kurze, winzige Moment, in dem Du mitten im Alltag innehältst und dich fragst: „Mensch, wie fühle ich mich eigentlich genau jetzt in diesem Augenblick?“ Das Schöne und absolut Entspannende daran ist: 
Wir werden im Leben nie ganz fertig sein. Wir werden immer ein Stück weit so bleiben wie unsere Eltern – und das ist völlig okay!  Gleichzeitig werden wir immer an uns arbeiten. Genau das macht das Leben so aufregend: dass es niemals stillsteht. Wir müssen davor keine Angst haben. Es ist eine Einladung, tiefe Freude und Neugierde in unser Leben zu lassen – genau dafür, dass es so ist.

Deshalb lade ich Dich von Herzen ein: Lerne Dich über Dein Fühlen ganz neu kennen. 
Geh spielerisch und mit echter Freude an diese Entdeckungsreise heran – denn genau darin liegt die Leichtigkeit, die Dein Leben so viel reicher macht.

Und ich glaube fest daran: Wenn wir genau das mutig vorleben, werden wir viele Menschen inspirieren, 
es uns gleichzutun. Und das ist doch ein unbeschreiblich schönes Gefühl.


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